Jana E. Hentzschel
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Zum 25jährigen Jubiläum der „Heimatstube“ in Kleinopitz
*
Heute nur für Gespenster geöffnet


Hoch oben auf den Opitzhöh‘n,
da ist die Aussicht wunderschön.

Nur heute gibt es keine Sicht,
kein schönes Farbspiel und kein Licht,
es türmen sich die Nebelschwaden,
obwohl sie gar nicht eingeladen.

Auch in Kleinopitz ist der Blick
durch dichten Nebel nicht sehr schick;
doch wohnt hier der, um den es geht,
um den sich die Geschichte dreht.

Er sammelt Altes und Lokales,
Spezielles, Selt’nes, Regionales
und stellt es dann im Nebenhaus –
in seiner „Heimatstube“ – aus.

Und wer nun möchte, kommt vorbei,
entdeckt und lernt so allerlei;
mit Blick in die vergang‘ne Zeit,
hier bietet sich Gelegenheit.

Nur heute kommt natürlich keiner –
kein großer Mensch und auch kein kleiner.
Ralf Naumann steht entspannt am Fenster,
das Wetter lieben nur Gespenster.

Er hört den Ruf der Waldohreule,
in weiter Ferne Wolfsgeheule.
Und als sein Blick hinüberschweift,
erschrickt er kurz, doch er begreift,
im Fenster von dem Nebenbau,
da schimmert etwas dunkelblau.

Sein Hund, er knurrt recht sonderbar,
doch dieser wittert stets Gefahr.
„Nun sei mal still … und lass das sein!“
Der Hund, er presst sich ihm ans Bein.

Herr Naumann geht mit großem Mut,
will schaun, was sich da drüben tut.
Er atmet tief, schließt auf und tritt
ins Stübchen rein – der Hund kommt mit.

Der Hausherr sieht auch gleich genau,
die Grubenlampe leuchtet blau.
Wie’s funktioniert, das weiß er nicht;
drückt rasch den Schalter und macht Licht.

Er nimmt in Sherlock-Holmes-Manier
die Bergbaulampe ins Visier,
da muss die Standuhr plötzlich lachen:
„Was macht der Typ denn hier für Sachen?“

„Weiß auch nicht“, sagt der Kuchenteller.
Ralf Naumanns Herz klopft immer schneller.

Dann hört er mit verdutzter Miene
das Rattern seiner Nähmaschine;
sie näht und stichelt einfach so.

Schon rauscht das Röhrenradio
und links die Kanne ruft „Olé!
Wer möchte einen Schluck Kaffee?“
Das Radio spricht heute leiser:
„Ich nehm nen Schluck, bin etwas heiser.“

„Ich habe Milch dazu – ganz frisch.“
Der Milchkrug hüpft auf seinem Tisch.

„Du möchtest tanzen? Kein Problem!
Bei mir bleibt wirklich keiner stehn.“
Und schon erklingt der erste Ton
aus dem antiken Grammofon.

Da öffnet sich die Wäschetruhe:
„Was soll der Lärm? Ist bald mal Ruhe!?“
Laut tönt das Horn der Feuerwehr:
„Oh nein, oh nein! Ich will noch mehr!“

Ein Federkiel taucht tief ins Fass
und schreibt mit Tinte irgendwas.
Ralf Naumann schaut, was da jetzt steht -
da hört er, wie die Tür aufgeht.

Die Nachbarin schaut rein und spricht:
„Hast du Besuch? Ich sah das Licht.“

Der Hausherr grinst die Christel an:
„Heut ist Gespensterführung dran.“

„Du führst auch Geister? Das ist toll!
Drum ist dein Sparschwein wohl so voll?“

Herr Naumann schaut nun sehr verdattert:
„Was habe ich denn hier ergattert?“
Er hält das Schweinchen in den Händen,
denn jeder kann, der will, was spenden;
schwer liegt es in der rechten Pranke
und oben steckt ein Zettel: „Danke!“

Er lächelt stolz und freut sich sehr –
das blaue Licht brennt auch nicht mehr.
„Du, Christel! Komm, wir sind so dreist
und trinken noch nen Himbeergeist!“

***