Jana E. Hentzschel
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Zum 100jährigen Jubiläum der Stadtbibliothek Freital

Das geliehene Buch

Mitunter ist das Wetter schlecht.
Das ist besonders ungerecht,
wenns draußen windet und auch gießt
und man den Urlaub grad genießt.

So ging es mir vor kurzem mal.
Die ganze Zeit kein Sonnenstrahl,
die Regentrude in Aktion,
es regnete seit Stunden schon –
und mit dem frischgefärbten Haar
geh ich nicht raus, das ist ja klar.

Nur ein Moment war regenfrei;
da fuhr ich schnell zur Bücherei.
Zwei Bücher – mit und ohne Reim –
lieh ich mir aus und rauschte heim.

Mit Mozart, Bach, Vivaldi, Strauß
lag ich bequem und ruhte aus –
so konnte ich Entspannung suchen,
mit Kaffee, Buch und leckrem Kuchen.

Schon tauchte ich hinein beim Lesen
in eine Zeit, die mal gewesen,
als Menschen große Burgen bauten
und sich in Wälder nicht getrauten …

Beim Lesen griff ich blind zur Tasse
(der Kaffee schmeckte wirklich klasse),
als plötzlich mir die Nase juckte –
beim Niesen ich mich fast verschluckte …
Schon sah ich – und bekam nen Schreck –
im Buch den großen Kaffeefleck.

Der Unfall für ne Panik reichte,
der Kaffee Seit für Seit durchweichte.
Ich hielt das Buch und ließ es tropfen –
und spürte wild mein Herze klopfen.

Was mach ich nun mit diesem Buch?
Ich googelte mit dem Gesuch:
„Wie Kaffeeflecke von Papier?“
Die Antwort kam: „Ich rate dir,
bei einem solchen Unglückslauf
streu Salz und etwas Natron drauf.

Natürlich nur, wenns ohne Sahne;
wenn Fett dabei, dann sehr ich mahne,
nimm lieber Essig, lass ihn wirken,
noch etwas Rindensaft von Birken –
dann tupfe, streiche, reibe zart.“

Ich habs gemacht auf diese Art.
Doch leider waren nach Sekunden
die Buchstaben gleich mit verschwunden.

Ich war frustriert und ziemlich down.
Das Buch war schrecklich anzuschaun.
Dazu die zwanzig leeren Seiten.
Ich war weiß Gott nicht zu beneiden.

Die Panik ließ mich etwas schwanken,
mir kamen seltsame Gedanken –
das Buch zerreißen bis verbrennen,
mehr möcht ich lieber nicht benennen.

Bis dann die Logik mich ereilte
und ich das Buch ein bisschen stylte.

Wie einst im Kloster streng betrieben,
wo alles mit der Hand geschrieben,
so schrieb ich nun ganz akkurat
in dem gedruckten Schreibformat …

Das holte mich ins Jetzt und Hier,
denn meine Schrift ist ein Geschmier;
und sofort habe ich begriffen,
ein Tagtraum hatte mich ergriffen.

Das Buch war schadenfrei – zum Glück!
Die Tasse stellte ich zurück,
genoss die restliche Geschichte
und später auch noch die Gedichte.

Dann war mein Kurzurlaub vorüber;
ein bisschen länger wär mir lieber,
denn auf dem Weg zur Bücherei
wars schlechte Wetter auch vorbei.

***